Türchen 6

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Ein herzliches Grüß Gott im Advent. Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer sechs von 24. Und was ist drin? Zwei, die zusammen heute ihren großen Tag haben. Der Hl. Nikolaus und sein Gehilfe Knecht Ruprecht.

6. Dezember Bauchgrummeln und Herzklopfen. Ich kann mich noch gut erinnern wie aufregend und spannend dieser Tag war. Wir wohnten damals kurz nach dem Krieg zur Untermiete im dritten Stock eines alten großen Mietshauses, das den Krieg relativ unbeschadet überlebt hatte. Auch in den anderen Wohnungen waren oft ebenfalls zwei Parteien untergebracht und demensprechend war die Anzahl der Kinder im Haus beträchtlich. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, waren es schon so knapp 30 aller Altersgruppen. Und jedes Jahr kamen sie beide. Der Nikolaus mit seinem roten Mantel, der goldenen Mitra und dem weißen Bart und er, der Knecht Ruprecht mit seinem grauen Bart in seiner dunklen Kutte mit Kapuze. Wir mussten lange warten bis es so weit war. So ab dem frühen Abend waren dann fast alle Kinder im Hausflur versammelt und schauten aufgeregt und mit Herzklopfen durchs Treppengeländer nach unten, ob schon was zu sehen oder zu hören war. Draußen war es schon dunkel, das Licht im Hausflur ging ständig aus und wurde immer wieder gestartet. Und dann war es endlich so weit. Kettenrasseln und die tiefe Stimme des Nikolaus waren auf dem Weg von Wohnung zu Wohnung. Immer wieder konnte man ein paar Blicke erhaschen auf den roten Mantel und vor allem auf den großen brauen Sack, aus dem man sich schon auch etwas erhoffte. Wir im 3. Stock waren schon oft in Sorge, ob für uns noch was übrigblieb. Erst viele Jahre später, als ich die wahre Identität der beiden Gesellen erfahren habe, wurde mir auch erzählt, dass in jedem Stockwerk ein weiterer gefüllter Sack deponiert war, damit die beiden nicht alles auf einmal von unten durchs ganze Haus nach oben schleppen mussten.

    Und wir Kinder haben uns schon sehr angestrengt ein Gedicht besonders schön aufzusagen, um mit Äpfeln, Nüsse und Lebkuchen aus dem Sack belohnt zu werden. Das wohl bekannteste Gedicht zu diesem Tag „Knecht Ruprecht“ stammt von Theodor Storm. Hier die erste Strophe


    Knecht Ruprecht
    Von drauss´vom Walde komm ich her,
    Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
    Allüberall auf den Tannenspitzen
    Sah´ich goldene Lichtlein sitzen;
    Und droben aus dem Himmelstor
    sah mit grossen Augen das Christkind hervor
    Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
    da rief´s mich mit heller Stimme an,
    „Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
    Hebe die Beine und spute dich schnell!


    Liebe Leserinnen, lieber Leser, bestimmt erinnern Sie sich auch noch an dieses schöne Gedicht und kennen sogar noch die eine oder andere Strophe. Vielleicht denken Sie auch noch an Bauchgrummeln, wenn Sie vor diesen beiden Gesellen standen, Nikolaus aus dem goldenen Buch vorgelesen hat und daneben Knecht Ruprecht mit der Rute fuchtelte.
    Ja, dieser Tag gehört bestimmt zu den Traditionen deren schöne Erinnerungen im Herzen bewahrt wurden. Ich wünsche Ihnen ganz viele davon.

    Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
    Ihre Charlotte, ein Schreiberling aus München

    Text & Audio von Charlotte

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