Türchen 5

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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.

Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, das fünfte von 24.

Und was ist drin? Eine Mundharmonika. Mein Gott, wie lange habe ich an dieses Instrument nicht mehr gedacht. Können Sie sich noch erinnern. Dieses kleine, geniale Teil, aus dem man alles herausholen und wirklich große Musik machen konnte. Einfach alles, angefangen von Volksmusik über Blues, Jazz und ja sogar bis hin zur klassischen Musik. Haben Sie selber sogar damit gespielt? Mein Vater hat es perfekt beherrscht, konnte sie jederzeit aus der Hosentasche herausholen und ab ging es. Vor über 200 Jahren erfunden, klein und kostengünstig, erreichte sie innerhalb kürzester Zeit Rekordzahlen und gilt heute als das meistgebaute Instrument. Aber sehen oder hören tut man es heute eher selten. Heute lässt man spielen. Man setzt Kopfhörer auf oder schiebt Stöpsel in die Ohren, vergisst alles um sich rum und lässt sich volldröhnen.

Mein Vater hatte sie sogar im Krieg dabei und auch später in der Gefangenschaft. Am Abend holte er sie einfach raus und spielte. Bald war er nicht mehr allein. Kameraden setzten sich zu ihm, hörten zu und dachten an zu Hause. Nicht selten sogar, suchte auch der sogenannte Feind die Nähe. Musik öffnet die Herzen, verbindet Menschen, überbrückt Barrieren und schafft eine gemeinsame Sprache.

Viele Jahre später wollte er mir das Spielen beibringen. Leider hatte ich zu wenig Talent und er vielleicht zu wenig Geduld. Ich hab dann heimlich versucht zu üben, aber meine Ohren waren der Meinung – lasse es. Ich verließ mich da eher auf meine Stimme und unterm Christbaum spielte er und ich habe dazu gesungen und alles war gut.

So ist es mit den Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Manchmal reicht ein kleines Bild hinter einem Türchen in einem Adventskalender oder auch einfach eine kleine Melodie, wie es in einem Gedicht heißt


Ganz still zuweilen wie ein Traum Cäsar Flaischlein (1864-1920)

Ganz still zuweilen wie ein Traum
klingt in dir auf ein fernes Lied…
Du weißt nicht, wie es plötzlich kam,
du weißt nicht, was es von dir will…
und wie ein Traum ganz leis und still
verklingt es wieder, wie es kam…

Wie plötzlich mitten im Gewühl
der Straße, mitten oft im Winter
ein Hauch von Rosen dich umweht,
wie oder dann und wann ein Bild
aus längst vergessenen Kindertagen
mit fragenden Augen vor dir steht…


Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser haben Sie heute schon ein Türchen geöffnet? Was war drin? Vielleicht auch etwas, das Sie an eine lang vergangene Zeit erinnert. In schönen Erinnerungen lächelt die Vergangenheit zurück. Ich wünsche Ihnen ganz viele davon.

Text & Audio von Charlotte