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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.
Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer sieben von 24. Und was ist drin? Nichts! Leer! Hier ist es also. Das leere Türchen. Ich weiß, dass es da ist und bin trotzdem immer wieder überrascht. Ein leeres Türchen. Ich nenne es Wunschtürchen und darf es selber füllen. Jedes Jahr mit etwas, was mir unterm Jahr aufgefallen ist und mit dem ich gleichzeitig in die Vergangenheit zurückdenken kann.
Dieses Jahr stelle ich einen kleinen Esel rein. Alt und grau ist er. Viele Jahre lebte er bei einer Schaustellerfamilie und zog mit Ihnen durch die Lande. Es war kein leichtes Leben, nicht für Mensch und nicht für Tier. Auf Jahrmärkte und Feste zog er mit seinen Artgenossen in der Manege Kinder auf seinem Rücken in der Runde. Er freute sich, wenn es den Kindern Spaß machte, obwohl sein Magen manchmal vor Hunger knurrte, seine Beine schwach waren und sein Rücken das Alter spürte. Das Geschäft war rückläufig und die Kosten bald höher als die Einnahmen. Und mit den modernen Hightech Geschäften konnten sie nicht mehr mithalten. Nach der letzten Sommersaison war nun Schluss. Und dann? Drei seiner Genossen wurden auf einen Hänger geladen und er sah sie nie wieder. Und er? Mit ihm war das Glück auf seiner Seite und er fand eine neue Heimat auf einem Gnadenhof. Dort ginge es ihm gut, hatte genug zu fressen, wurde von den Kindern gestreichelt und hin und wieder durfte er eine Runde mit ihnen drehen.
Und dann passierte es was ganz Wunderbares. In einer kleinen Gemeinde in der Nähe gibt es im Advent jedes Wochenende einen Adventsmarkt mit einer lebenden Krippe. Und wer darf bei Maria und Josef im Stall stehen – er, der alte graue Esel. Er genießt die Aufmerksamkeit, die vielen Besucher wie im früheren Leben und freut sich, dass er gebraucht wird am Ende seiner Tage. Er der Esel, mit dem ich das leere Türchen in diesem Jahr gefüllt habe.
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, sie haben bestimmt auch viele Erlebnisse aus all den vergangenen Jahren, Jahrmärkten und Volksfesten sammeln können. Haben vielleicht selber mal auf dem Rücken eines Esels Runden in der Manege gedreht und viele schöne Erinnerungen im Herzen bewahrt. Ich wünsche Ihnen ganz viele davon.
Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Ihre Charlotte, ein Schreiberling aus München
Text & Audio von Charlotte