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Ein herzliches Grüß Gott im Advent. Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer vier von 24. Und was ist drin? Ein blühender Zweig.
Nein, er hat sich nicht in der Jahreszeit geirrt. Der 4. Dezember ist Barbaratag. An diesem Tag ist es seit Jahrhunderten Brauch, Zweige von Obstbäumen, welche Blütenknospen tragen, nach dem ersten winterlichen Frost zu schneiden und sie zu Hause in Vasen aufzustellen. Und wenn man Glück hat, entfaltet sich an Weihnachten eine bunte Blütenpracht.
Die Legende der Heiligen erzählt, dass Barbara, als sie zum Christentum übergetreten ist, schuldig gesprochen und zur Strafe ins Gefängnis geworfen wurde. Auf dem Weg dorthin verfing sich ihr Kleid in einem Gehölz und brach dabei einen Zweig ab. Sie hob ihn auf, nahm ihn mit und stellte ihn in ihrer Zelle ins Wasser. Am Tag ihrer Hinrichtung war der Zweig erblüht.
Der Gedenktag von Barbara liegt am Beginn des neuen Kirchenjahres und die Zweige wurden als Mittel zur Zukunftsschau eingesetzt: Nach regionalem Volksglauben bedeutet das Aufblühen der Barbarazweige Glück im kommenden Jahr und für Mädchen, dass sie im nächsten Jahr heiraten werden.
Das hört sich doch interessant an – also am 4. Dezember knospige Zweige schneiden. Aber Achtung: Was passiert, wenn z.B. alle Bewohner einer Großstadt sich an diesem Tag aufmachen und überall Obstzweige abschneiden? Richtig, alle Bäume wären im Nu kahl und es gäbe keine Ernte im nächsten Jahr, ach was sage ich, in den nächsten Jahren.
Deshalb ein Vorschlag: Wir gedenken der Heiligen Barbara mit einem Gebet, lassen dem Baum seine Zweige und freuen uns lieber an den winterlichen Geschenken des Waldes, deren Duft und an einem zauberhaften Wintermärchen.
Und als Anregung hier ein wunderschönes Gedicht dazu:
Zauberhaftes Wintermärchen von Anita Menger
Zauberhaftes Wintermärchen
Schneebedeckt sind Busch und Bäume
Futter sucht ein Spatzenpärchen
Welt versinkt in Winterträume
Schneebedeckt sind Busch und Bäume
Zarte Flocken wirbelnd schweben
Welt versinkt in Winterträume
Im Verborg´nen feinstes Weben.
Zarte Flocken wirbelnd schweben
Glitzernd weiß sich Gipfel zeigen
Im Verborg´nen feinstes Weben
Winterwelt im trauten Schweigen.
Glitzernd weiß sich Gipfel zeigen
Schneelast senkt die müden Äste
Winterwelt im trauten Schweigen
Frost und Eis sind stille Gäste
Schneelast senkt die müden Äste
Futter sucht ein Spatzenpärchen
Frost und Eis sind stille Gäste
Zauberhaftes Wintermärchen.
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, Sie haben bestimmt auch viele Erinnerungen an Traditionen zu Fest- und Feiertagen und im Herzen bewahrt. Ich wünsche Ihnen ganz viele davon.
Und nur so nebenbei: Ich hatte nie Zweige aufgestellt. Es hat aber trotzdem geklappt und ich war über fünfzig Jahre verheiratet.
Dann bis morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Text & Audio von Charlotte