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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.
Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer fünfzehnte von 24. Und was ist drin? Ein kleines Puppenbett.
Ich kann mich noch gut erinnern, als mir das Christkind einmal ein Puppenbett gebracht hat. Ich war vier Jahre alt und schon eine liebe Puppenmama. Anziehen, ausziehen, füttern und schlafen legen tat ich mit großer Liebe. Nur das schlafen legen war nicht so einfach. Es gab noch keinen festen Platz und ich wünschte mir sehnlichst so ein Bettchen, wo mein Liebling schlafen konnte. Und dann stand es da – unterm Christbaum. Bunt bemalt mit passenden Kissen. Die Freude war riesengroß. Ich wollte es immer bei mir haben und zog es ständig hinter mir her. Dabei schrammte ich überall an und konnte nicht verstehen, dass es ab jetzt einen festen Platz im Schlafzimmer haben sollte und musste lernen, Regeln einzuhalten.
Ich war noch zu klein um dieses Geschenk mit den häufigen abendlichen Abwesenheiten meines Vaters in den vergangenen Wochen in Verbindung zu bringen. Erst viele Jahre später erfuhr ich von der Christkindlwerkstatt in unserem Waschhaus im Hinterhof. So wie die Frauen sich zum Stricken trafen, fanden sich die Männer zusammen, um Geschenke für ihre Familien zu basteln, zu schreinern und was nicht sonst noch alles. Die Zeiten wurden mit den Frauen abgesprochen, um nicht am Waschtag im Weg zu sein. Es war ein großer Zusammenhalt, jeder brachte sein Können ein und so entstanden die schönsten Gaben, die das Christkind dann unter den Baum legen konnte. Mein Puppenbett war nur eines davon. Alles was als mögliches Material dienen konnte, wurde schon unterm Jahr gesammelt und im Keller deponiert und so kamen Schlitten, Puppenstuben, Puppenwagen, Holzautos, Vogelhäuschen und vieles mehr aus der Christkindlwerkstatt. Das war kein billiges Plastik, die Dinge waren robust und stabil und wurden nicht selten überarbeitet und neu lackiert, an die nächsten Kinder weitergereicht.
Mein Puppenbett hatte ein langes Leben, wurde es doch an meine zahlreichen Cousinen weitergegeben. Ab und zu ein bisschen neue Farbe und neue Kissen und schon hatte wieder eine neue Puppenmama eine große Freude.
Ja, das waren noch Zeiten. In der Erinnerung waren sie schön, aber sie waren schon hart und entbehrungsreich. Aber das was man hatte, wurde geschätzt, gepflegt und gehütet. Zu Heute werden sie Ihre eigene Meinung haben.
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, vieles wird Ihnen auch bekannt vorkommen und sie denken an Ihre Kindheit zurück. Bestimmt war auch nicht alles einfach, aber ein paar schöne Erinnerungen haben Sie sicher auch in Ihrem Herzen bewahrt. Ich wünsche ihnen ganz viele davon und für heute einen schönen Adventstag. Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Ihre Charlotte, ein Schreiberling aus München
Text & Audio von Charlotte