Türchen 14

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Ein herzliches Grüß Gott im Advent. Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer vierzehn von 24. Und was ist drin? Eine Breze!

Eine Breze. Jetzt werden Sie sagen, lieber Schreiberling, was um alles in der Welt, hat eine Breze im Adventkalender zu suchen. Das ist eine gute Frage und die Antwort lautet, eigentlich nichts. Aber es gibt immer Ausnahmen. Hier geht es wieder um ein Türchen, das eigentlich aus Altersgründen und dessen Verschleiß leer wäre und von mir mit der Zeichnung einer Breze gefüllt wurde. Weil es aus meiner Erinnerung heraus, durchaus hineinpasst. Und das kam so.

In unserer Straße gab es einen kleinen Brotladen, dessen Bäcker das beste Brot und die allerbesten Brezen backte. Mit der Herstellung von Kuchen, Torten und Gebäck hatte er nichts am Hut. Seine Hände waren dafür nicht geeignet. Das war auch in Ordnung, weil unweit von ihm ein Konditor war, der wiederum kein Brot und keine Brezen machte. So ergänzten sich die beiden und kamen sich mit ihrer unterschiedlichen Ware nicht in die Quere. Nur in der Weihnachtszeit hatte der Brotbäcker so seinen Kummer. Der Konditor nämlich, spendete regelmäßig zum Fest viele Plätzchen den Kindern im Waisenhaus. Der Brotbäcker wollte das auch gerne tun, aber seine Brezen waren halt so gar nicht weihnachtlich.

Dann hörte er, dass in der Musikschule das Weihnachtskonzert der Kleinen nicht stattfinden könne, weil zu wenig Instrumente den Krieg überlebt hätten. Und da kam ihm eine Idee, Brezen backen, zum halben Preis anbieten und verkaufen und den Erlös dafür spenden. Gesagt, getan. Gute Freunde halfen ihm dabei, malten Plakate mit Werbung, halfen in der Backstube und übernahmen den Verkauf. Sogar der Konditor schickte einen Helfer aus seinem Laden, er freute sich mit seinem Kollegen und dessen Idee.

Brezen waren damals nicht jeden Tag selbstverständlich und zum halben Preis der große Renner. Einige hundert kamen heiß aus dem Ofen. Sogar drei Firmen bestellten für ihre Weihnachtsfeier die Super Brezen und die Aktion wurde ein Riesenerfolg und war der Auftakt zu einer langen Tradition. Schon unterm Jahr hielt der Bäcker Ausschau, wer die Brezenspende diesmal erhalten sollte.

Übrigens konnten damals die Instrumente noch rechtzeitig gekauft werden und das Konzert stattfinden. Der Brotbäcker brauchte einen Tag Pause für seine Füße und seinen Rücken, aber war rundum glücklich.

Mama hatte für uns auch eingekauft. Jeder bekam eine Breze am Abend und eine am nächsten Tag in der Brezensuppe. Die liebe ich heute noch und ist schnell gemacht. Alte Breze, gerne auch schon hart, klein geschnitten in eine Auflaufform geben, mit heißer Brühe übergießen, geröstete Zwiebeln drüberstreuen und mit Käse abdecken oder drüber reiben. Dann im Rohr kurz überbacken und fertig.

Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, ich denke, dass sie mir Recht geben, eine Breze im Kalender aufzunehmen. Mit etwas Umweg passt sie gut zum Gedanken Weihnachten Gutes zu tun, Freude und Unterstützung für andere zu schaffen. Tauchen auch Sie wieder mal ganz weit ein in Ihre Erinnerungen und genießen Sie die Zeit.

Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.

Ihre Charlotte, ein Schreiberling aus München

Text & Audio von Charlotte