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Ein herzliches Grüß Gott im Advent. Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute ein neues Türchen des Adventskalenders auf, das schon dreizehnte von 24.
Und was ist drin? Oh, ein Bügeleisen, ein altes Rutscherl. Da sieht man wieder ganz deutlich, dass mein Kalender noch aus lang vergangenen Zeiten stammt. So ein Teil hat heute keine Chance mehr, Bildchen in einem Adventkalender zu werden. Aber wir, ich denke Sie und ich, kennen dieses noch ganz genau. Und die Arbeit die damit verbunden war.
Eigentlich war ja das Bügeln schon der letzte Arbeitsgang einer langen Reihe mühevoller und anstrengender Arbeiten. Holz und Kohle aus dem Keller holen und übern Hinterhof ins Waschhaus bringen, zum Beheizen des Waschkessels. Dann waschen, rubbeln, spülen, auswringen, aufhängen, Dazwischen schwitzen, schwitzen und schwitzen. Kein Wunder, wenn die tüchtigen Hausfrauen anschließend auch fertig mit der Kraft und den Nerven waren. Ich kann mich noch gut erinnern. Es war an diesem Tag immer klug nicht aufzufallen und besonders brav zu sein, so als wenn es mich gar nicht geben würde.
Je nach Jahreszeit und Wetterlage dauerte es unterschiedlich lange, bis die Wäsche getrocknet und dann das Bügeln anstand.
Dann wieder Holz und Kohle aus dem Keller holen, aber diesmal in den dritten Stock in die Wohnung bringen, zum Beheizen des Küchenofens. Auf den Herdplatten wurden dann die Bügeleisen heiß gemacht. Besonders im Sommer war das gar nicht so toll – hieß es doch wieder schwitzen. Wir hatten schon ein Wechselgriffbügeleisen mit ausklinkbaren Griff. Das hieß, dass immer eine Bügelsohle in Gebrauch war und die zweite schon wieder aufgeheizt wurde.
Vor dem Bügeln jedoch, wurde die Wäsche wieder eingespritzt. Das habe ich gar nicht verstanden, warum man die Wäsche erst trocknet und dann wieder nass spritzt um zu bügeln. Ich hab nur einmal danach gefragt, aber Mama war schon so erschöpft von der vielen Arbeit, dass sie keine Kraft mehr hatte es mir zu erklären. Das war manchmal so und dann bekam ich oft zur Antwort – das siehst dann schon, wenn du das alles einmal selber machen musst. Und – so war es auch.
Ich muss grad lachen, wenn ich mir vorstelle, dass junge Menschen von heute meine Erzählung hier lesen würden. Ihre Mienen wären wohl wie große Fragezeichen. Sie haben Waschmaschinen, Wäschetrockner und Dampfbügelautomaten. Ich muss aber schon auch zugeben, dass ich äußerst dankbar bin, heute ebenfalls diese Haushaltshelfer zu haben und die Zeiten des Waschhauses im Hinterhof lange vorbei sind. Mit jedem einzelnen Türchen des Kalenders verbinde ich Erinnerungen und gehe dabei manchmal weit zurück in meine Kindheit. So wie heute und freue mich sehr durch das alte Rutscherl daran erinnert zu werden, wie gut es uns heute geht.
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser haben Sie heute schon ein Türchen geöffnet? Was war drin? Vielleicht auch etwas, das Sie an eine lang vergangene Zeit erinnert. In schönen Erinnerungen lächelt die Vergangenheit zurück. Ich wünsche Ihnen ganz viele davon.
Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Text & Audio von Charlotte