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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.
Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer zehn von 24. Und was ist drin? Mm, ein Teller mit Weihnachtsplätzchen. Jetzt möchte ich wirklich noch mal Kind sein. Mitten in der Küche stehen, Mitten im Stresschaos, Mitten im Duft der frisch gebackenen Köstlichkeiten aus Mamas Weihnachtsbackstube.
Plätzchenbacktag – Familienstresstag. Da war schon gscheit was los. Unsere Küche war sowieso schon eng und jeder war dem anderen im Weg. Am Anfang, aber dann hat sich das eingespielt.
Jeder hatte seine Aufgabe. Papa musste sich um den Herd kümmern. Holz und Kohle aus dem Keller holen, Herd anheizen und auf möglichst gleichmäßige Wärme achten. Mama machte den Teig und rollte ihn aus. Meine Schwester (sie war zehn Jahre älter als ich) half ihr beim Ausstechen und Auflegen, dann beim Abheben der fertigen Plätzchen und später beim Schichten in die Blechdosen. Meine Aufgabe war, möglichst nicht im Weg zu stehen und wurde auf die Couch geschickt. Ab und zu wurde ich mit einem Probiererl bei Laune gehalten, bis ich vom vielen Zuschauen und der Wärme müde wurde und einschlief.
Meist lief alles recht gut bis auf manchmal, wenn ein Blech zu dunkel oder sehr dunkel aus dem Ofen kam. Der Trick war dann, immer zwei Plätzchen mit Marmelade zusammenzukleben um den verbrannten Geschmack zu überdecken und mit Glasur zu bestreichen. Sie waren nicht die beliebtesten, blieben aber am Ende auch nicht über. Mama machte jedes Jahr verschiedene Sorten und diese wurden nach dem Backen nicht mit dem pappig süßen Streusselzeug vergewaltigt. Sie durften nach den Zutaten schmecken, die mitverarbeitet wurden und bekamen nur eine Haube Puderzucker. Und das mache ich heute noch so.
Wenn dann alles fertig war, die Küche sauber, der Herd noch mit Restwärme, die Plätzchen abgekühlt und in Dosen gestapelt – was war dann? Sie wurden weggepackt, im Schlafzimmer hoch oben auf den Schrank gestellt und warteten dort, wie wir alle, auf Weihnachten. Das fiel nicht leicht.
Natürlich machte Mama auch jedes Jahr ihren sagenhaft guten Stollen. Und nicht nur einen, denn er war beliebt als Weihnachtsgeschenk. Praktisch war, dass eine kleine Bäckerei in der Nähe einen Backdienst angeboten hat und die Frauen ihre fertigen Teige zum Backen dorthin bringen konnten. Und das war gut so, denn die eigenen alten Herde zu Hause, hätten die stundelang notwenige gleiche Hitze nicht bringen können. Damals lag meistens in der Adventzeit schon Schnee und Männer oder Frauen, mit auf Schlitten befestigte Stollen, waren keine Seltenheit. Übrigens vom Stollen gab es schon jeden Adventsonntag zum Kaffee am Nachmittag, eine Scheibe oder manchmal auch zwei. Auf dem Teller, den wir ja wegen des großen Adventskranzes auf dem Tisch, auf dem Schoß halten mussten. Aber beide waren es wert!
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, auch das war Advent. Auch das gehört zu den Erinnerungen die in den Herzen bewahrt werden. Haben Sie noch den Geruch von Zimt und Zucker im Gedächtnis, auf das Warten müssen und im Herzen bewahrt. Ich wünsche Ihnen ganz viele davon.
Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Ihre Charlotte,ein Schreiberling aus München
Text & Audio von Charlotte