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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.
Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer elf von 24. Und was ist drin? Ein Eichhörnchen.
Ein kleines hübschen Ding mit einem großen buschigen Schwanz. In den kleinen Pfoten hält es ganz fest eine Nuss. Ich habe sie immer gerne beobachtet diese putzigen, wieselflinken Tierchen mit ihren hellen wachen Augen, wie sie sich so sicher von Ast zu Ast schwingen. Und besonders im Herbst, wenn sie fleißig am Sammeln und Vergraben sind. Im Winter sausen sie dann hin und her, schnüffeln und graben und versuchen ihre Verstecke wieder zu finden. Sie brauchen dazu kein Navi für vergessliche kleine Nager. Sie schaffen das auch ohne Navi.
Nur leider macht auch Ihnen der Klimawandel schwer zu schaffen. Sie leiden unter der anhaltenden Trockenheit, haben durch Bebauungen zu wenig Unterschlupfmöglichkeiten, im Winter zu wenig Minustemperaturen und können im Herbst zu wenig Vorräte anlegen, weil zum Beispiel die Haselnuss schon viel früher vom Baum fällt und im Herbst kaum noch was da ist. Da können diese kleinen Tierchen schon Futterhilfe im Winter gebrauchen. Haselnüsse, Walnüsse, getrockneter Mais, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und Rosinen sind da genau das richtige.
Lange Jahre habe ich auch beim Friedhofsbesuch einiges in der Tasche gehabt. Nur mittlerweile sind die Tiere dort so verwöhnt und praktisch überfüttert, dass sie gar nichts mehr annehmen und alles unbeachtet liegen lassen. Da wird sicher dem einen oder anderen Eichhörnchen der Gedanke kommen, warum Arbeit und Stress im Herbst, wenn alles geliefert wird.
Es gibt da ein nettes kleines Gedicht, das dieses genau beschreibt.
Das Eichhörnchen und der Hunger Von Elke Bräunling
“Immer soll ich Vorrat sammeln!
Ich hab viel mehr Lust zum Gammeln”,
sprach das Eichhorn und verschlief
die Herbstzeit ruhig und fest und tief.
Die Kälte kam. Das Eichhorn fror.
“Oje”, sprach es. “was geht hier vor.”
Alles, was ich ringsum seh
ist weißer, kalter Glitzerschnee.
Kalt ist mir und leer ist auch
mein armer, dünner Hungerbauch.”
Es klopft bei seinen Freunden an,
fragt, ob es etwas haben kann
zum Essen und ‘nen warmem Ort.
Doch alle schicken es nur fort.
Bloß der Ratte Adelheid
tut das arme Eichhorn leid.
Sie lädt es in ihr Nest mit ein
und sagt: „Ich bin nicht gern allein,
drum lasst uns doch Freunde sein,
und meine Vorräte sind dein.”
Das Eichhörnchen, das freut sich sehr
und denkt sich stumm: „Ich werd nie mehr
auf Tiere, die so anders sind,
herabsehn. Wer das tut, ist blind.”
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, da hat das kleine Eichhörnchen eine Lektion fürs Leben bekommen. Sie haben bestimmt auch viel in Ihrem Leben lernen müssen und haben viele Erinnerungen im Herzen bewahrt. Der Advent eine Zeit zum Innehalten, Zeit zum Besinnen, Zeit zum Zurückdenken.
Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Text & Audio von Charlotte