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Ein herzliches Grüß Gott im Advent. Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das erste Türchen des Adventskalenders auf, das erste von 24. Mit jedem einzelnen Türchen verbinde ich Erinnerungen und gehe dabei weit zurück in meine Kindheit.
Wann ich meinen ersten Adventskalender bekommen habe, ist so lange her. Sogar mein Gedächtnis, das meist noch recht gut funktioniert, zuckt mit den Schultern und meint, sorry, das habe ich auch nicht mehr auf dem Schirm. Er war auch vermutlich sehr einfach, ohne Glanz und Flitter. Und ganz bestimmt noch nicht mit Schokolade gefüllt.
Adventskalender haben eine lange Geschichte und viele Variationen bis nach 1920 sich schließlich Kalender, deren Fensterchen man öffnen konnte, verbreiteten. Hinter jedem Fensterchen war auf einer zweiten, angeklebten Papier- oder Pappschicht ein Bild zu sehen. So habe ich auch meinen Kalender in Erinnerung. Bis dann 1958 der erste mit Schokolade gefüllt auf den Markt kam und damit auch innerhalb der Familien Räuber zur Tat rief.
Mir ist das nur einmal passiert, dass meine Schwester zum Dieb wurde und alle Türchen leer waren. Im nächsten Jahr, habe ich sie alle gleich selber geöffnet und wollte sie dann eigentlich verstecken um jeden Tag eins davon zu genießen. Aber es war doch zu verführerisch, es waren ja nur ganz kleine Dinger und plötzlich waren sie alle weg. Das fand wiederum mein Bauch gar nicht toll und grummelte recht ordentlich. Im nächsten Jahr teilte ich die süßen Köstlichkeiten besser ein.
Ich habe meine Kalender geliebt und mich jeden Tag auf einen neuen Inhalt gefreut. Bunte Bilder, mal schöne Landschaften, niedliche Tiere und wunderschöne Blumen. Mir hat auch gut gefallen, als später die Kalender mit Glitzer überzogen waren. Nur meine Mama war davon gar nicht begeistert, weil dieser Glitzerstaub überall zu finden war. Wir hatten damals noch keinen Staubsauger und das fand sie überhaupt nicht lustig. Nein, den Kalender hat nicht sie selber gekauft, für diese Dinge hatte ich immer meine ganz liebe Tante. Ich werde später mal über sie erzählen. Im nächsten Jahr gab es keinen Glitzer.
Immer wieder machte ich diese kleinen Türchen auf und zu, bis sie oft nach 24 Tagen ausgeleiert oder gar ausgerissen waren. Die Bildchen innen aber, wurden dann gerettet. Ich hab sie ausgeschnitten und sorgfältig in ein extra angelegtes Album eingeklebt. Jedes Jahr kamen dann die nächsten dazu und wurden lange Zeit wie ein kleiner Schatz behütet. Nein, die Schokos waren schon lange dem Verdauungskreislauf zugeführt.
Heute gibt es ja auch Adventskalender für Erwachsene. Größer, prächtiger und luxuriöser gefüllt, wie mit teuren Kosmetika, Luxus Lebensmittel oder Alkohol. Meist für Leute, die mit dem ursprünglichen Sinn des Advents, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten, der Ankunft Jesu, überhaupt nichts am Hut haben. Eine schöne Idee hingegen finde ich, sind Erzählorte im Advent. In Einkaufsstraßen sind mancherorts Schaufenster wie geöffnete Türchen gestaltet und jeden Tag werden dort Geschichten erzählt oder vorgelesen.
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser haben Sie heute schon ein Türchen geöffnet? Was war drin? Vielleicht auch etwas, das Sie an eine lang vergangene Zeit erinnert. Es heißt ja – an schönen Erinnerungen lächelt die Vergangenheit zurück. Ich wünsche Ihnen ganz viele davon.
Dann bis morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereithält.
Text & Audio von Charlotte