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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.
Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das dreiundzwanzigste Türchen des Adventskalenders auf, das vorletzte von 24. Mit jedem einzelnen Türchen verbinde ich Erinnerungen und gehe dabei weit zurück in meine Kindheit. Und was ist heute drin? Christbaumkugeln und Lametta.
Das passt, denn heute ist Papas Tag. Er kann endlich den Baum aufstellen und Dekorieren. Er hat sich immer den Tag vor dem Fest freigenommen um alles in Ruhe vorbereiten zu können. Zuerst musste ich aus der Schusslinie gebracht werden. Das war einfach. Ich durfte den ganzen Tag und auch die nächste Nacht bei meiner Lieblingstante Zenta verbringen. Wenn ich aber auch nur annähernd gewusst hätte, was Papa vorhatte, nicht mal das Schlittenfahren mit Onkel Franz oder Tantes Pfannenkuchen mit Apfelmus hätten mich gefreut.
Papa konnte also in aller Ruhe und Leidenschaft ans Werk gehen. Papa hatte eine Schwester in Amerika, die jedes Jahr, ja wirklich jedes Jahr rechtzeitig ein großes Paket mit American Christmas Deko nach München schickte. Wir hätten tatsächlich fünf Bäume schmücken können, aber es gab zum Glück immer freudige Abnehmer im Bekanntenkreis.
Zuerst bekam jede Kerze, damals noch echte aus Wachs, ihren Platz. Dann folgte Kugel für Kugel genau farbig richtig verteilt. Dazwischen bunte Figuren plaziert und Vögel auf die Äste gezwickt. Den Abschluss bildete Lametta. Erinnern Sie sich noch daran. Diese Silberfäden, die einzeln aufgehängt und nach dem Abschmücken sorgfältig ausgestreift wieder aufeinandergelegt wurden fürs nächste Jahr. Immer wieder wurde überprüft, ob auch alles stimmig war und Papa zufrieden. Mama musste den Baum begutachten und das letzte o.k. geben. Zusammen wurde alles aufgeräumt und die Geschenke, liebevoll verpackt, unterm Baum verteilt. Das Christkind konnte kommen – morgen.
Leider konnte sich auch unser Prachtbaum nie in seiner ganzen Schönheit so präsentieren, wie er es verdient hätte. Für zwei Wochen musste für ihn im Schlafzimmer eine Wäschetruhe vorübergehend Platz machen und in den Speicher umziehen. Und auch nur drei Mal in dieser Zeit, wurden seine Kerzen angezündet und er durfte strahlen. Natürlich an Heilig Abend bei der großen Bescherung, an Silvester und zum letzten Mal am Dreikönigstag. Dann war auch höchste Zeit, seine trotz ziemlicher Frische im Zimmer, schon recht kahl gewordenen Ästen abzuschmücken und zu entsorgen. Der Weihnachtsschmuck sorgfältig verpackt, tauschte wieder den Platz mit der Wäschetruhe und wartete im Speicher geduldig auf das nächste Jahr.
Einige alte Kugeln von damals, hatte ich lange aufbewahrt und wie Kostbarkeiten gehütet, dann habe ich sie zusammen mit unserer alten Krippe einem Seniorenheim gespendet, wo sie jedes Jahr wieder Freude bringen.
Ja liebe Leserinnen und lieber Leser. Nur noch einmal, morgen am Weihnachtstag, werden wir zusammen ein Türchen öffnen. Es wird keine große Überraschung sein, was wir drin finden. Der Christbaum wartet noch auf uns.
Dann bis Morgen. Ich freue mich.
Ihre Charlotte, ein Schreiberling aus München
Text & Audio von Charlotte