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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.
Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer Zwanzig von 24. Und was ist drin? Ein Fahrrad.
Ein Fahrrad im Winter? So würde man sich heute wundern. Aber damals, und da können Sie sich sicher auch noch erinnern, war das Fahrrad das wichtigste und meist auch das einzige Fortbewegungsmittel. Obwohl sie bei weitem nicht zu vergleichen waren mit den heutigen Luxusteilen. Alt, verbeult, verrostet, oft mit dem berühmten Achter aber kostbar. Gehütet und verteidigt war dieses Fortbewegungsmittel und das bei jedem Wetter auch bei Schnee und Frost.
Darum hat dieses Teil durchaus Berechtigung in einem Türchen und lustig mit Schal und Handschuhen an den Griffen.
Mama und Papa hatten auch so einen Drahtesel, aber Papa legte großen Wert auf ein zuverlässiges Fahrwerk, schon dass damit Mama und ich sicher unterwegs waren. Er putzte regelmäßig, kontrollierte alles, schmierte die Ketten, achtete dass mein Kindersitz richtig saß und pumpte die Reifen auf. Eine Schönheit waren beide Räder nicht, aber sie taten ihre Dienste. Sie wurden gebraucht für den Weg zur Arbeit und am Wochenende für schöne Ausflüge und man war dankbar sie besitzen.
Lange gab es die Verkehrsmittel, die wir heute wie selbstverständlich nutzen, nicht. Bus, Trambahn, U – und S Bahn, alles steht uns zur Verfügung zumindest in der Stadt. Auf dem Land schauts schon noch anders aus. Da braucht man das Auto und das Fahrrad. Und auch in der Stadt kommt man aus Kosten-, Gesundheits- und Klimagründen immer mehr auf die Zweiräder zurück, auch wenn sie nicht die geringste Ähnlichkeit mehr mit den Rostlauben von damals haben. Noch haben wir Winter und die meisten Räder haben Pause. Und träumen vor sich hin.
Fahrradträume Anita Menger
Wehmütig lehnt das Fahrrad
an der Garagenwand,
sehnt sich nach Sonnentagen,
nach Fahrten übers Land.
Es träumt von Blumenwiesen,
vom nahen Baggersee
den schattig, kühlen Wäldern …
Doch jetzt liegt draußen Schnee.
Vor Kälte fröstelnd spürt es
die raue Winterzeit und
ahnt doch im Geheimen:
Der Frühling ist nicht weit.
Bald schiebt man es ins Freie
und nach der Pflegekur
geht es dann endlich wieder
auf eine Fahrradtour.
Bergauf, Bergab – durch Felder,
rund um den kleinen See,
vom Frühlingswind begleitet …
Doch jetzt liegt draußen Schnee.
Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, noch muss das Fahrrad im Türchen ein bisschen warten, noch ist es Winter. Aber die Erinnerungen an die Radlzeit sind da. Spüren Sie noch die Sonne im Gesicht, den Wind in den Haaren, den Muskelkater in den Beinen. Ein ruhiges Plätzchen im Schatten, eine Decke, Brotzeit und ein kleines Transistorradio, wie schön war die Welt. Und wie schön ist die Erinnerung.
Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Ihre Charlotte, ein Schreiberling aus München
Text & Audio von Charlotte