Türchen 18

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Ein herzliches Grüß Gott im Advent.

Ich freue mich, dass Sie mit mir zusammen die Adventszeit verbringen wollen und mache heute das nächste Türchen des Adventskalenders auf, die Nummer achtzehn von 24. Und was ist drin? Eine kleine Figurengruppe Musikanten. Drei Männer mit Akkordeon, Geige und Trompete, bunt gekleidet und haben offensichtlich Spaß beim Musizieren.

Ich liebe Musik. Immer schon und immer noch. Schon als ich klein war, hörte ich egal wo Töne herkamen, immer zu. Wir hatten lange noch kein Radio und so war es ganz was Besonderes, wenn wieder mal die Musikanten im Hof spielten.

Erinnern Sie sich noch an die Hinterhofmusikanten. Vielleicht hat es die bei Ihnen auch gar nicht gegeben. Es waren Männer, oft Kriegsversehrte, denen ein Bein oder ein Arm fehlte, die mit Ihren Musikinstrumenten umherzogen und vor den Häusern spielten. Da waren sie aber von der Obrigkeit, die sie als Bettler einstuften, gar nicht gerne gesehen und suchten deshalb lieber die Hinterhöfe auf. An ihrer Kleidung und den ausgemergelten Körpern sah man, dass es ihnen nicht gut ging. Müde, ausgezehrt, ohne Zukunfstperspektive. Meist waren sie zu zweit oder zu dritt unterwegs, zogen oft einen Leiterwagen mit, in dem sie ihr Hab und Gut und ihre Instrumente verstaut hatten und nicht selten auch einen Hund. Man hatte Mitleid mit ihnen und sie verstanden es besonders mit Frauen umzugehen, machten Komplimente und spielten angeblich die Lieder nur für sie. Wenn dann ein Geldstück, eingewickelt in ein Stück Papier von den Treppenhausfenstern aus zu ihnen geworfen wurde, bedankten sich wortreich mit schöner Frau und wünschten ihr Gottes Segen.

Sie kamen auch nur tagsüber, wenn die Männer in der Arbeit waren und versprachen sich dann mehr Spenden. Kleidungsstücke bekamen sie selten, weil die Bevölkerungsgruppe vor denen sie spielten, selber nichts im Überfluss hatten.

Von Mama bekamen sie selten eine Zeitungsmünze, so nannte man das Geldstück in Zeitungspapier gewickelt, aber oft eine Kleinigkeit zu Essen oder ein Stück Kuchen.

Eigentlich waren sie allesamt keine großen Künstler, aber für mich, waren es wundervolle Töne, die sie aus ihren Instrumenten herausholten. Und ich nahm mir fest vor, auch mal Musik zu spielen, wenn ich groß bin.

Im Lauf der folgenden Jahre kamen die Gruppen bald immer seltener und irgendwann, waren sie ganz von der Bildfläche verschwunden. In den Wohnungen gab es Mittlerweile Radios und Grammophone und Hinterhöfe wurden bebaut. Meine Liebe zur Musik hat sich, wie schon gesagt, erhalten aber nur als Zuhörer und das ist gut so.

Ja, liebe Leserinnen, lieber Leser, wie schaut es aus. Sind Sie auch ein Freund der Musik? Spielen oder spielten Sie vielleicht selber ein Instrument. Gerade jetzt im Advent, in der Zeit zur Besinnung, kann bestimmte Musik auch Erinnerungen wecken und uns in vergangene Momente zurückversetzen. Lassen Sie Träume zu und genießen Sie die Zeit.

Dann bis Morgen. Ich freue mich, was das nächste Türchen für uns bereit hält.
Ihre Charlotte, ein Schreiberling aus München

Text & Audio von Charlotte