Sich an den Schreibtisch zu setzten und sich die Zeit zu nehmen einen Brief zu verfassen, bedeutet in unserer digitalen Welt einen analogen Anker zu schaffen. Es bedeutet einen Dialog durch Schrift für immer aufzubewahren. Es bedeutet auch, ein intimeres Verhältnis zwischen Absender und Empfänger zu kreieren, als eine SMS oder WhatsApp-Nachricht es je könnte.
Auch wenn die Zahl der versendeten Briefe in Deutschland seit 2007 rückläufig ist, bewegt sie sich trotzdem noch im Millionen Bereich[1]. Anders in Dänemark, wo es seit diesem Jahr unmöglich geworden ist, einen Brief zu verschicken. Alle Briefkästen wurden abgeschafft, zugunsten der digitalen Kommunikation. Diese bietet einige erhebliche Vorteile: sie ist schneller, meist effizienter, sicherer und günstiger. Es braucht nicht drei Postboten, um die E-Mail bei ihrem Empfänger abzugeben und es spart Papier. Die E-Mail kann nicht verloren gehen irgendwo zwischen Hamburg und Cuxhaven.
Und trotzdem würde ich es als Verlust empfinden, keine Möglichkeit mehr zu haben, Briefe zu versenden. Ich persönlich liebe es, Briefe an meine Liebsten zu schreiben, gerade wenn sie sich in schwierigen Phasen ihres Lebens befinden. Dann kreiert der Brief eine Umarmung über hunderte Kilometer weit weg. Selbst wenn ich nicht physisch für meine Freunde da sein kann, habe ich ihnen einige Worte geschickt. Außerdem besitzen Briefe in unserer heutigen Zeit auch den Überraschungsmoment und erfreuen den Empfänger umso mehr.

In den letzten Jahrhunderten, bis die Telefonie und später das Internet erfunden wurden, markierten Briefe die einzige Möglichkeit über längere Strecken im regelmäßigen Austausch zu bleiben. Heute markieren sie eine bewusste Konversation, die sich durch ihren analogen und langsamen Charakter gegen die Schnelllebigkeit der Gesellschaft stemmt. Auch in drei, zehn oder fünfzig Jahren werden diese Konversationen noch auf das Papier geschrieben sein. In gewisser Weise ist es Liebe, gebannt auf Papier. Es sind intime Gedanken und Gefühle, geteilt mit einer anderen Person.
Deshalb, schreibt Briefe! Wenn euch beim Lesen dieses Textes eine Person in den Kopf gekommen ist, die ihr gerne mit einem handschriftlichen Brief überraschen wollt, nur zu! Die Reaktion auf einen Brief sind immer positiv! Falls ihr noch niemanden im Kopf habt, dann macht doch gerne bei uns mit!
Wer wir sind? Briefe fürs Miteinander e. V. Wir schicken Briefe an soziale Einrichtungen, um den Bewohner*innen eine kleine Freude in ihrem Alltag zu machen. Dabei kommt ihr ins Spiel: Wir suchen immer nach Freiwilligen, die gerne einen kleinen Teil ihres Alltags in Briefform teilen möchten. Dabei schafft es ein Brief, den Tag eines*r Bewohner*in zu erhellen, und euren auch!
Wenn ihr Fragen habt, euch am Projekt beteiligen wollt oder bei einem Pflegeheim arbeitet und interessiert seid, hinterlasst uns gerne eine Nachricht im Kontaktformular oder schreibt uns eine E-Mail an kontakt@briefemiteinander.org. Wir freuen uns, von euch zu hören!
[1]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6916/umfrage/briefsendungen-durch-postdienstleister-in-deutschland/